Wie funktioniert der Compliance Service?
Eine umfassende Erklaerung des gesamten Systems -- vom Rechtstext bis zur Compliance-Bewertung.
1. Was ist der Compliance Hub?
Der BreakPilot Compliance Hub ist ein System, das Organisationen dabei unterstuetzt, gesetzliche Vorschriften einzuhalten. Er beantwortet die zentrale Frage:
“Duerfen wir das, was wir vorhaben, ueberhaupt so machen -- und wenn ja, welche Auflagen muessen wir dafuer erfuellen?”
Konkret geht es um EU- und deutsche Gesetze, die fuer den Umgang mit Daten und kuenstlicher Intelligenz relevant sind: die DSGVO, den AI Act, die NIS2-Richtlinie und viele weitere Regelwerke. Das System hat vier Hauptaufgaben:
- Wissen bereitstellen: Hunderte Rechtstexte sind eingelesen und durchsuchbar -- nicht nur per Stichwort, sondern nach Bedeutung (semantische Suche).
- Bewerten: Wenn ein Nutzer einen geplanten KI-Anwendungsfall beschreibt, bewertet das System automatisch, ob er zulaessig ist, welches Risiko besteht und welche Massnahmen noetig sind.
- Dokumentieren: Das System erzeugt die Dokumente, die Aufsichtsbehoerden verlangen: Datenschutz-Folgenabschaetzungen (DSFA), technisch-organisatorische Massnahmen (TOM), Verarbeitungsverzeichnisse (VVT) und mehr.
- Nachweisen: Jede Bewertung, jede Entscheidung und jeder Zugriff wird revisionssicher protokolliert -- als Nachweis gegenueber Pruefer und Behoerden.
Kern-Designprinzip
2. Architektur im Ueberblick
Das System besteht aus mehreren Bausteinen, die jeweils eine klar abgegrenzte Aufgabe haben. Man kann es sich wie ein Buero vorstellen:
| Baustein | Analogie | Technologie | Aufgabe |
|---|---|---|---|
| API-Gateway | Empfang / Rezeption | Go (Gin) | Nimmt alle Anfragen entgegen, prueft Identitaet und leitet weiter |
| Compliance Engine (UCCA) | Sachbearbeiter | Go | Bewertet Anwendungsfaelle gegen 45+ Regeln und berechnet Risikoscore |
| RAG Service | Rechtsbibliothek | Python (FastAPI) | Durchsucht Gesetze semantisch und beantwortet Rechtsfragen |
| Legal Corpus | Gesetzesbuecher im Regal | YAML/JSON + Qdrant | Enthaelt alle Rechtstexte als durchsuchbare Wissensbasis |
| Policy Engine | Regelbuch des Sachbearbeiters | YAML-Dateien | 45+ auditierbare Pruefregeln in maschinenlesbarer Form |
| Eskalations-System | Chef-Unterschrift | Go + PostgreSQL | Leitet kritische Faelle an menschliche Pruefer weiter |
| Admin Dashboard | Schreibtisch | Next.js | Benutzeroberflaeche fuer alle Funktionen |
| PostgreSQL | Aktenschrank | SQL-Datenbank | Speichert Assessments, Eskalationen, Controls, Audit-Trail |
| Qdrant | Suchindex der Bibliothek | Vektordatenbank | Ermoeglicht semantische Suche ueber Rechtstexte |
Wie die Bausteine zusammenspielen
Benutzer (Browser)
|
v
┌─────────────────────────────┐
│ API-Gateway (Port 8080) │ ← Authentifizierung, Rate-Limiting, Tenant-Isolation
│ "Wer bist du? Darfst du?" │
└──────────┬──────────────────┘
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┌─────┼──────────────────────────────┐
v v v
┌─────────────┐ ┌──────────────┐ ┌──────────────┐
│ Compliance │ │ RAG Service │ │ Security │
│ Engine │ │ (Bibliothek)│ │ Scanner │
│ (Bewertung) │ │ │ │ │
└──────┬───┬──┘ └──────┬───────┘ └──────────────┘
| | |
| | ┌──────┴───────┐
| | │ Qdrant │ ← Vektordatenbank mit allen Rechtstexten
| | │ (Suchindex) │
| | └──────────────┘
| |
| └──────────────────────┐
v v
┌──────────────┐ ┌──────────────┐
│ PostgreSQL │ │ Eskalation │
│ (Speicher) │ │ (E0-E3) │
└──────────────┘ └──────────────┘3. Der Katalogmanager: Die Wissensbasis
Das Herzstueck des Systems ist seine Wissensbasis -- eine Sammlung aller relevanten Rechtstexte, die das System kennt und durchsuchen kann. Wir nennen das den Legal Corpus (wörtlich: “Rechtlicher Koerper”).
3.1 Welche Dokumente sind enthalten?
Der Legal Corpus ist in zwei Hauptbereiche gegliedert: EU-Recht und deutsches Recht.
EU-Verordnungen und -Richtlinien
| Regelwerk | Abkuerzung | Artikel | Gueltig seit | Thema |
|---|---|---|---|---|
| Datenschutz-Grundverordnung | DSGVO | 99 | 25.05.2018 | Schutz personenbezogener Daten |
| KI-Verordnung | AI Act | 113 | 01.08.2024 | Regulierung kuenstlicher Intelligenz |
| Netz- und Informationssicherheit | NIS2 | 46 | 18.10.2024 | Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen |
| ePrivacy-Verordnung | ePrivacy | -- | in Arbeit | Vertraulichkeit elektronischer Kommunikation |
| Cyber Resilience Act | CRA | -- | 2024 | Cybersicherheit von Produkten mit digitalen Elementen |
| Data Act | DA | -- | 2024 | Zugang und Nutzung von Daten |
| Digital Markets Act | DMA | -- | 2023 | Regulierung digitaler Gatekeeper |
Deutsches Recht
| Gesetz | Abkuerzung | Thema |
|---|---|---|
| Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetz | TDDDG | Datenschutz bei Telekommunikation und digitalen Diensten |
| Bundesdatenschutzgesetz | BDSG | Nationale Ergaenzung zur DSGVO |
| IT-Sicherheitsgesetz | IT-SiG | IT-Sicherheit kritischer Infrastrukturen |
| BSI-KritisV | KritisV | BSI-Verordnung fuer kritische Infrastrukturen |
Standards und Normen
| Standard | Thema |
|---|---|
| ISO 27001 | Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) |
| SOC2 | Trust Service Criteria (Sicherheit, Verfuegbarkeit, Vertraulichkeit) |
| BSI Grundschutz | IT-Grundschutz des BSI |
| BSI TR-03161 | Technische Richtlinie fuer Anforderungen an Anwendungen im Gesundheitswesen |
| SCC (Standard Contractual Clauses) | Standardvertragsklauseln fuer Drittlandtransfers |
3.2 Wie werden Rechtstexte gespeichert?
Jeder Rechtstext durchlaeuft eine Verarbeitungspipeline, bevor er im System durchsuchbar ist. Der Vorgang laesst sich mit dem Erstellen eines Bibliothekskatalogs vergleichen:
- Erfassung (Ingestion): Der Rechtstext wird als Dokument (PDF, Markdown oder Klartext) in das System geladen. Fuer jede Verordnung gibt es eine
metadata.json-Datei. - Zerkleinerung (Chunking): Lange Gesetzestexte werden in kleinere Abschnitte von ca. 512 Zeichen zerlegt. Dabei ueberlappen sich die Abschnitte um 50 Zeichen.
- Vektorisierung (Embedding): Jeder Textabschnitt wird vom Embedding-Modell BGE-M3 in einen Vektor umgewandelt -- eine Liste von 1.024 Zahlen.
- Indexierung: Die Vektoren werden in der Vektordatenbank Qdrant gespeichert. Zusammen mit jedem Vektor werden Metadaten hinterlegt.
Rechtstext (z.B. DSGVO Art. 32)
|
v
┌────────────────────────┐
│ 1. Einlesen │ ← PDF/Markdown/Klartext + metadata.json
└──────────┬─────────────┘
v
┌────────────────────────┐
│ 2. Chunking │ ← Text in 512-Zeichen-Abschnitte zerlegen
└──────────┬─────────────┘
v
┌────────────────────────┐
│ 3. Embedding │ ← BGE-M3 wandelt Text in 1024 Zahlen um
└──────────┬─────────────┘
v
┌────────────────────────┐
│ 4. Qdrant speichern │ ← Vektor + Metadaten werden indexiert
└────────────────────────┘Aktueller Bestand
3.3 Wie funktioniert die semantische Suche?
Klassische Suchmaschinen suchen nach Woertern. Unsere semantische Suche funktioniert anders: Sie sucht nach Bedeutung.
Beispiel: Wenn Sie fragen “Wann muss ich den Nutzer um Erlaubnis bitten?”, findet das System Art. 7 DSGVO (Bedingungen fuer die Einwilligung), obwohl Ihre Frage das Wort “Einwilligung” gar nicht enthaelt.
3.4 Der KI-Rechtsassistent (Legal Q&A)
Ueber die reine Suche hinaus kann das System auch Fragen beantworten:
- Suche: Das System findet die 5 relevantesten Gesetzesabschnitte zur Frage.
- Kontext-Erstellung: Diese Abschnitte werden mit der Frage an das Sprachmodell (Qwen 2.5 32B) uebergeben.
- Antwort-Generierung: Das Modell formuliert eine verstaendliche Antwort auf Deutsch und zitiert die verwendeten Rechtsquellen.
- Quellenangabe: Jede Antwort enthaelt exakte Zitate mit Artikelangaben.
Wichtige Einschraenkung
4. Die Compliance Engine: Wie Bewertungen funktionieren
Das Kernmodul des Compliance Hub ist die UCCA Engine (Unified Compliance Control Assessment). Sie bewertet, ob ein geplanter KI-Anwendungsfall zulaessig ist.
4.1 Der Fragebogen (Use Case Intake)
| Bereich | Typische Fragen | Warum relevant? |
|---|---|---|
| Datentypen | Werden personenbezogene Daten verarbeitet? Besondere Kategorien (Art. 9)? | Art. 9-Daten (Gesundheit, Religion, etc.) erfordern besondere Schutzmassnahmen |
| Verarbeitungszweck | Wird Profiling betrieben? Scoring? Automatisierte Entscheidungen? | Art. 22 DSGVO schuetzt vor vollautomatischen Entscheidungen |
| Modellnutzung | Wird das Modell nur genutzt (Inference) oder mit Nutzerdaten trainiert (Fine-Tuning)? | Training mit personenbezogenen Daten erfordert besondere Rechtsgrundlage |
| Automatisierungsgrad | Assistenzsystem, teil- oder vollautomatisch? | Vollautomatische Systeme unterliegen strengeren Auflagen |
| Datenspeicherung | Wie lange werden Daten gespeichert? Wo? | DSGVO Art. 5: Speicherbegrenzung / Zweckbindung |
| Hosting-Standort | EU, USA, oder anderswo? | Drittlandtransfers erfordern zusaetzliche Garantien (SCC, DPF) |
| Branche | Gesundheit, Finanzen, Bildung, Automotive, ...? | Bestimmte Branchen unterliegen zusaetzlichen Regulierungen |
| Menschliche Aufsicht | Gibt es einen Human-in-the-Loop? | AI Act fordert menschliche Aufsicht fuer Hochrisiko-KI |
4.2 Die Pruefregeln (Policy Engine)
Die Antworten des Fragebogens werden gegen ein Regelwerk von ueber 45 Regelngeprueft. Jede Regel ist in einer YAML-Datei definiert. Die Regeln sind in 10 Kategorien organisiert:
| Kategorie | Regel-IDs | Prueft | Beispiel |
|---|---|---|---|
| A. Datenklassifikation | R-001 bis R-006 | Welche Daten werden verarbeitet? | R-001: Werden personenbezogene Daten verarbeitet? → +10 Risiko |
| B. Zweck & Kontext | R-010 bis R-013 | Warum und wie werden Daten genutzt? | R-011: Profiling? → DSFA empfohlen |
| C. Automatisierung | R-020 bis R-025 | Wie stark ist die Automatisierung? | R-023: Vollautomatisch? → Art. 22 Risiko |
| D. Training vs. Nutzung | R-030 bis R-035 | Wird das Modell trainiert? | R-035: Training + Art. 9-Daten? → BLOCK |
| E. Speicherung | R-040 bis R-042 | Wie lange werden Daten gespeichert? | R-041: Unbegrenzte Speicherung? → WARN |
| F. Hosting | R-050 bis R-052 | Wo werden Daten gehostet? | R-051: Hosting in USA? → SCC/DPF pruefen |
| G. Transparenz | R-060 bis R-062 | Werden Nutzer informiert? | R-060: Keine Offenlegung? → AI Act Verstoss |
| H. Branchenspezifisch | R-070 bis R-074 | Gelten Sonderregeln fuer die Branche? | R-070: Gesundheitsbranche? → zusaetzliche Anforderungen |
| I. Aggregation | R-090 bis R-092 | Meta-Regeln ueber andere Regeln | R-090: Zu viele WARN-Regeln? → Gesamtrisiko erhoeht |
| J. Erklaerung | R-100 | Warum hat das System so entschieden? | Automatisch generierte Begruendung |
Warum YAML-Regeln statt Code?
4.3 Das Ergebnis: Die Compliance-Bewertung
| Ergebnis | Beschreibung |
|---|---|
| Machbarkeit | YESCONDITIONALNO |
| Risikoscore | 0-100 Punkte. Je hoeher, desto mehr Massnahmen sind erforderlich. |
| Risikostufe | MINIMAL / LOW / MEDIUM / HIGH / UNACCEPTABLE |
| Ausgeloeste Regeln | Liste aller Regeln, die angeschlagen haben, mit Schweregrad und Gesetzesreferenz |
| Erforderliche Controls | Konkrete Massnahmen, die umgesetzt werden muessen |
| DSFA erforderlich? | Ob eine Datenschutz-Folgenabschaetzung nach Art. 35 DSGVO durchgefuehrt werden muss |
Anwendungsfall: "Chatbot fuer Kundenservice mit Zugriff auf Bestellhistorie"
Machbarkeit: CONDITIONAL (bedingt zulaessig)
Risikoscore: 35/100 (LOW)
Ausgeloeste Regeln:
R-001 WARN Personenbezogene Daten werden verarbeitet (Art. 6 DSGVO)
R-010 INFO Verarbeitungszweck: Kundenservice (Art. 5 DSGVO)
R-060 WARN Nutzer muessen ueber KI-Nutzung informiert werden (AI Act Art. 52)
Erforderliche Controls:
C_EXPLICIT_CONSENT Einwilligung fuer Chatbot-Nutzung einholen
C_TRANSPARENCY Hinweis "Sie sprechen mit einer KI"
C_DATA_MINIMIZATION Nur notwendige Bestelldaten abrufen
DSFA erforderlich: Nein (Risikoscore unter 40)
Eskalation: E0 (keine manuelle Pruefung noetig)5. Das Eskalations-System: Wann Menschen entscheiden
Nicht jede Bewertung ist eindeutig. Fuer heikle Faelle gibt es ein abgestuftes Eskalations-System, das sicherstellt, dass die richtigen Menschen die endgueltige Entscheidung treffen.
| Stufe | Wann? | Wer prueft? | Frist (SLA) | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| E0 | Nur INFO-Regeln, Risiko < 20 | Niemand (automatisch freigegeben) | -- | Spam-Filter ohne personenbezogene Daten |
| E1 | WARN-Regeln, Risiko 20-39 | Teamleiter | 24 Stunden | Chatbot mit Kundendaten |
| E2 | Art. 9-Daten ODER Risiko 40-59 ODER DSFA empfohlen | Datenschutzbeauftragter (DSB) | 8 Stunden | KI-System, das Gesundheitsdaten verarbeitet |
| E3 | BLOCK-Regel ODER Risiko ≥ 60 ODER Art. 22-Risiko | DSB + Rechtsabteilung | 4 Stunden | Vollautomatische Kreditentscheidung |
6. Controls, Nachweise und Risiken
6.1 Was sind Controls?
Ein Control ist eine konkrete Massnahme, die eine Organisation umsetzt, um ein Compliance-Risiko zu beherrschen. Es gibt drei Arten:
- Technische Controls: Verschluesselung, Zugangskontrollen, Firewalls, Pseudonymisierung
- Organisatorische Controls: Schulungen, Richtlinien, Verantwortlichkeiten, Audits
- Physische Controls: Zutrittskontrolle zu Serverraeumen, Schliesssysteme
Der Compliance Hub verwaltet einen Katalog von ueber 100 vordefinierten Controls, die in 9 Domaenen organisiert sind:
6.2 Wie Controls mit Gesetzen verknuepft sind
Control: AC-01 (Zugriffskontrolle)
├── DSGVO Art. 32 → "Sicherheit der Verarbeitung"
├── NIS2 Art. 21 → "Massnahmen zum Management von Cyberrisiken"
└── ISO 27001 A.9 → "Zugangskontrolle"
Control: DP-03 (Datenverschluesselung)
├── DSGVO Art. 32 → "Verschluesselung personenbezogener Daten"
└── NIS2 Art. 21 → "Einsatz von Kryptographie"6.3 Evidence (Nachweise)
Nachweis-Typen, die das System verwaltet:
- Zertifikate: ISO 27001-Zertifikat, SOC2-Report
- Richtlinien: Interne Datenschutzrichtlinie, Passwort-Policy
- Audit-Berichte: Ergebnisse interner oder externer Pruefungen
- Screenshots / Konfigurationen: Nachweis technischer Umsetzung
Jeder Nachweis hat ein Ablaufdatum. Das System warnt automatisch, wenn Nachweise bald ablaufen.
6.4 Risikobewertung
Risiken werden in einer 5x5-Risikomatrix dargestellt. Die beiden Achsen sind Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkung. Aus der Kombination ergibt sich die Risikostufe: Minimal, Low, Medium, High oder Critical.
7. Pflichten-Ableitung: Welche Gesetze gelten fuer mich?
Nicht jedes Gesetz gilt fuer jede Organisation. Das Obligations Frameworkermittelt automatisch, welche konkreten Pflichten sich aus der Situation einer Organisation ergeben.
Beispiel: NIS2-Anwendbarkeit
Ist Ihr Unternehmen in einem der NIS2-Sektoren taetig?
(Energie, Transport, Banken, Gesundheit, Wasser, Digitale Infrastruktur, ...)
│
├── Nein → NIS2 gilt NICHT fuer Sie
│
└── Ja → Wie gross ist Ihr Unternehmen?
│
├── >= 250 Mitarbeiter ODER >= 50 Mio. EUR Umsatz
│ → ESSENTIAL ENTITY (wesentliche Einrichtung)
│ → Volle NIS2-Pflichten, strenge Aufsicht
│ → Bussgelder bis 10 Mio. EUR oder 2% Jahresumsatz
│
├── >= 50 Mitarbeiter ODER >= 10 Mio. EUR Umsatz
│ → IMPORTANT ENTITY (wichtige Einrichtung)
│ → NIS2-Pflichten, reaktive Aufsicht
│ → Bussgelder bis 7 Mio. EUR oder 1,4% Jahresumsatz
│
└── Kleiner → NIS2 gilt grundsaetzlich NICHT8. DSGVO-Compliance-Module im Detail
Fuer die Einhaltung der DSGVO bietet der Compliance Hub spezialisierte Module:
8.1 Consent Management (Einwilligungsverwaltung)
Verwaltet die Einwilligung von Nutzern gemaess Art. 6/7 DSGVO. Jede Einwilligung wird protokolliert: wer hat wann, auf welchem Kanal, fuer welchen Zweck zugestimmt (oder abgelehnt)?
Zwecke: Essential (funktionsnotwendig), Functional, Analytics, Marketing, Personalization, Third-Party.
8.2 DSR Management (Betroffenenrechte)
Verwaltet Antraege betroffener Personen nach Art. 15-21 DSGVO: Auskunft, Berichtigung, Loeschung, Datenportabilitaet, Einschraenkung und Widerspruch. Das System ueberwacht die 30-Tage-Frist (Art. 12) und eskaliert automatisch bei drohenden Fristverstossen.
8.3 VVT (Verzeichnis von Verarbeitungstaetigkeiten)
Dokumentiert alle Datenverarbeitungen gemaess Art. 30 DSGVO: Welche Daten werden fuer welchen Zweck, auf welcher Rechtsgrundlage, wie lange und von wem verarbeitet?
8.4 DSFA (Datenschutz-Folgenabschaetzung)
Wenn eine Datenverarbeitung voraussichtlich ein hohes Risiko fuer die Rechte natuerlicher Personen mit sich bringt, ist eine DSFA nach Art. 35 DSGVO Pflicht.
8.5 TOM (Technisch-Organisatorische Massnahmen)
Dokumentiert die Schutzmassnahmen nach Art. 32 DSGVO. Fuer jede Massnahme wird erfasst: Kategorie (z.B. Verschluesselung, Zugriffskontrolle), Status, Verantwortlicher und Nachweise.
8.6 Loeschkonzept
Verwaltet Aufbewahrungsfristen und automatische Loeschung gemaess Art. 5/17 DSGVO. Fuer jede Datenkategorie wird definiert: wie lange darf sie gespeichert werden, wann muss sie geloescht werden und wie (z.B. Ueberschreiben, Schluesselloeschung).
9. Multi-Tenancy und Zugriffskontrolle
Das System ist mandantenfaehig (Multi-Tenant): Mehrere Organisationen koennen es gleichzeitig nutzen, ohne dass sie gegenseitig auf ihre Daten zugreifen koennen.
9.1 Rollenbasierte Zugriffskontrolle (RBAC)
| Rolle | Darf |
|---|---|
| Mitarbeiter | Anwendungsfaelle einreichen, eigene Bewertungen einsehen |
| Teamleiter | E1-Eskalationen pruefen, Team-Assessments einsehen |
| DSB (Datenschutzbeauftragter) | E2/E3-Eskalationen pruefen, alle Assessments einsehen, Policies aendern |
| Rechtsabteilung | E3-Eskalationen pruefen, Grundsatzentscheidungen |
| Administrator | System konfigurieren, Nutzer verwalten, LLM-Policies festlegen |
9.2 PII-Erkennung und -Schutz
Bevor Texte an ein Sprachmodell gesendet werden, durchlaufen sie eine automatische PII-Erkennung. Das System erkennt ueber 20 Arten personenbezogener Daten (E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Namen, IP-Adressen, etc.). Je nach Konfiguration werden erkannte PII-Daten geschwuerzt, maskiertoder nur im Audit-Log markiert.
10. Wie das System KI nutzt (und wie nicht)
| Aufgabe | Entschieden von | Rolle der KI |
|---|---|---|
| Machbarkeit (YES/CONDITIONAL/NO) | Deterministische Regeln | Keine |
| Risikoscore berechnen | Regelbasierte Berechnung | Keine |
| Eskalation ausloesen | Schwellenwerte + Regellogik | Keine |
| Ergebnis erklaeren | -- | LLM + RAG-Kontext |
| Rechtsfragen beantworten | -- | LLM + RAG (Rechtskorpus) |
| Dokumente generieren (DSFA, TOM, VVT) | -- | LLM + Vorlagen |
LLM-Provider und Fallback
- Primaer: Ollama (lokal) -- Qwen 2.5 32B bzw. Mistral, laeuft direkt auf dem Server. Keine Daten verlassen das lokale Netzwerk.
- Fallback: Anthropic Claude -- Wird nur aktiviert, wenn das lokale Modell nicht verfuegbar ist.
11. Audit-Trail: Alles wird protokolliert
Saemtliche Aktionen im System werden revisionssicher protokolliert:
- Jede Compliance-Bewertung mit allen Ein- und Ausgaben
- Jede Eskalationsentscheidung mit Begruendung
- Jeder LLM-Aufruf (wer hat was wann gefragt, welches Modell wurde verwendet)
- Jede Aenderung an Controls, Evidence und Policies
- Jeder Login und Daten-Export
Datenschutz des Audit-Trails
12. Security Scanner: Technische Sicherheitspruefung
- Container-Scanning (Trivy): Prueft Docker-Images auf bekannte Schwachstellen (CVEs)
- Statische Code-Analyse (Semgrep): Sucht im Quellcode nach Sicherheitsluecken
- Secret Detection (Gitleaks): Findet versehentlich eingecheckte Passwoerter, API-Keys und Tokens
- SBOM-Generierung: Erstellt eine vollstaendige Liste aller verwendeten Bibliotheken und deren Lizenzen
13. Zusammenfassung: Der komplette Datenfluss
SCHRITT 1: FAKTEN SAMMELN
Nutzer fuellt Fragebogen aus: Welche Daten? Welcher Zweck? Welche Branche? Wo gehostet?
SCHRITT 2: ANWENDBARKEIT PRUEFEN
Obligations Framework: DSGVO? AI Act? NIS2?
SCHRITT 3: REGELN PRUEFEN (45+ Regeln)
R-001 (WARN): Personenbezogene Daten +10 Risiko
R-060 (WARN): KI-Transparenz fehlt +15 Risiko
→ Gesamt-Risikoscore: 35/100 (LOW), Machbarkeit: CONDITIONAL
SCHRITT 4: CONTROLS ZUORDNEN
C_EXPLICIT_CONSENT, C_TRANSPARENCY, C_DATA_MINIMIZATION
SCHRITT 5: ESKALATION (bei Bedarf)
Score 35 → Stufe E1 → Teamleiter, SLA 24h
SCHRITT 6: ERKLAERUNG GENERIEREN
LLM + RAG: Gesetzesartikel suchen, Erklaerungstext generieren
SCHRITT 7: DOKUMENTATION
DSFA, TOM, VVT, Compliance-Report (PDF/ZIP/JSON)
SCHRITT 8: MONITORING
Controls regelmaessig pruefen, Nachweise auf Ablauf ueberwachenDas Wichtigste in einem Satz